Freiendsituation



Freiendsituation

Fehlen am Ende einer Zahnreihe einer oder mehrere Zähne, handelt es sich um eine Freiendsituation. Die Zahnreihe ist sozusagen nach hinten hin „frei“. Sie kann einseitig oder beidseitig auftreten und sowohl den Unterkiefer als auch den Oberkiefer betreffen. Nun stellt sich zunächst die Frage, ab welcher Anzahl fehlender Zähne man sie ersetzen muss? Schon bei einem fehlenden Zahn oder erst bei mehreren und ist ein Ersatz überhaupt erforderlich, wenn die Seitenzähne im hinteren Backenzahnbereich doch überhaupt nicht sichtbar sind?

Handelt man nach dem Wirtschaftlichkeitsbegriff der gesetzlichen Krankenkasse, erfordert das Fehlen der beiden letzten großen Backenzähne, bei sonst geschlossener Zahnreihe, keinen Ersatz. Klar ist aber auch, dass jeder Seitenzahn – mit Ausnahme der Weisheitszähne – einen Antagonisten, also einen gegenüberliegenden Zahn im jeweils anderen Kiefer besitzen sollte. Das bedeutet, wenn im Oberkiefer noch alle Zähne vorhanden sind und im Unterkiefer die beiden letzten Zähne fehlen, haben die Oberkieferzähne beim Mundschluss keinen „Gegenspieler“ mehr und laufen Gefahr, sich nach und nach aus ihrer Position zu entfernen und in Richtung Unterkiefer zu „wandern“. Das begünstigt einerseits die Positionsveränderung weiterer Zähne im Oberkiefer und damit einhergehende Fehlbelastungen und andererseits die Entstehung von Karies und Entzündungen. Weiterhin führt das Fehlen der Zähne langfristig zur Knochenrückbildung in diesem Bereich, zur Einschränkung der Kauleistung und zu Kiefergelenksbeschwerden. Deshalb sollte bereits bei einem einzigen fehlenden Zahn am Ende der Zahnreihe ein Zahnersatz in Betracht gezogen werden.

Es gibt unterschiedliche Lösungsansätze für eine Freiendsituation, die sich im Wesentlichen nach der konkreten Situation und dem zur Verfügung stehendem Budget richten.

1. Zahnersatz durch Einzelzahnimplantate

Freiendsituation: Zahnersatz durch Einzelzahnimplantate

Hier wird jeder fehlende Zahn durch jeweils ein Implantat ersetzt. Das ist die aus medizinischer Sicht sinnvollste Lösung, da jeder ersetzte Zahn mit einheitlicher Kaukraft belastet wird und somit der ihn umgebende Knochen vor einem Rückgang geschützt wird. Allerdings handelt es sich hierbei auch um die kostenintensivste Variante.
Pro zu ersetzendem Zahn muss mit Kosten von 1000 € bis 2500 € gerechnet werden, abhängig davon, welche Materialen verwendet wurden, wie umfangreich die vorhergehende Diagnostik ausfällt und wie anspruchsvoll und aufwendig sich die konkrete Situation darstellt.

2. Implantatgetragene Brücke

Implantatgetragene Brücke

Hier wird nicht jeder Zahn durch ein Implantat ersetzt, sondern lediglich zwei Implantate als sogenannte Brückenpfeiler gesetzt. Beispielsweise können bei drei fehlenden Zähnen der letzte und erste fehlende Zahn durch jeweils ein Implantat ersetzt werden. An diesen Pfeilern wird die Zahnbrücke befestigt, die mit einem mittleren Glied die dritte Lücke schließt. Hierfür muss kein natürlicher Zahn beschliffen werden, allerdings bildet sich der Knochen unter dem Brückenglied mit der Zeit kontinuierlich zurück, da er keiner Belastung mehr ausgesetzt ist. Das fördert Entzündungen und wird früher oder später zu ästhetischen Problemen führen, da sich zwischen Brückenglied und Zahnfleisch eine größer werdende Lücke bildet, die überdies schwer zu reinigen ist. Aus diesen Gründen ist diese Lösung nicht als ideal einzustufen.
Preislich ist sie jedoch mit 3000 € bis 4500 € für die gesamte Brücke attraktiver als die der Einzelzahnimplantate, da man sich – in unserem konkreten Fall – ein Implantat spart.

3. Verbundbrücke / Hybridbrücke

Verbundbrücke / Hybridbrücke

Im Gegensatz zur implantatgetragenen Brücke besteht die Verbundbrücke nicht aus zwei Implantatpfeilern, sondern es wird ein natürlicher Zahn als Pfeiler mit einbezogen. Wenn also drei Zähne fehlen, wird an hinterster Stelle der Zahnreihe ein Implantat gesetzt, dass zusammen mit dem noch vorhandenen Zahn als Pfeiler zur Aufnahme der Brücke dient, die wieder mit ihrem mittleren Glied die letzte Lücke schließt.
Diese Lösung ist als fraglich einzustufen, da durch das Beschleifen eines gesunden Zahnes wertvolle Zahnhartsubstanz verloren geht. Außerdem besteht dasselbe Problem des Knochenrückgangs unter dem mittleren Brückenglied, wie auch bei der implantatgetragenen Brücke.
Die Kosten fallen jedoch mit 2000 € bis 3500 € geringer, als bei erstgenannten Lösungen aus.

4. Freiendbrücke / Extensionsbrücke / Anhängerbrücke

Freiendbrücke Implantation

Anhängerbrücke eingesetzt

Eine günstige, jedoch äußerst fragliche Alternative stellt die Freiendbrücke dar. Hier kann in der Regel nur ein fehlender Zahn am Ende oder auch in der Mitte der Zahnreihe ersetzt werden. Der Grund dafür ist, dass hier als einzige Abstützung für den Zahnersatz der noch gesunde, angrenzende Nachbarzahn benutzt wird. An ihm wird die Brücke mittels Überkronung, Verklebung oder auch über einen speziell gefertigten Anhänger befestigt. Die großen Nachteile sind, dass durch die unbalancierte Statik eine ständige Fehlbelastung auf den noch gesunden Zahn ausgeübt wird. Das ist auch der Grund, warum bei dieser Methode nur ein Zahn ersetzt werden kann, weil sonst die einwirkenden Kräfte für den gesunden Zahn zu groß wären und diesen schädigen würden. Man versucht dieses Problem zu minimieren, indem gleich mehrere, nebeneinanderliegende gesunde Zähne als Pfeiler genutzt werden, um die Kraft besser zu verteilen, doch durch die notwendige Überkronung der Zähne geht noch mehr wertvolle Zahnhartsubstanz verloren.
Auch wenn man hier preislich mit 1000 € – 2000 € günstig davonkommt, sollte dies nur eine letzte Notlösung darstellen.

5. Herausnehmbare Zahnprothese

Zahnprothese herausnehmbar

Hierbei handelt es sich im Gegensatz zu den anderen Varianten nicht um einen festsitzenden, sondern einen herausnehmbaren Zahnersatz.
Die Prothese wird – wie die Freiendbrücke – am noch gesunden letzten Zahn befestigt und liegt zusätzlich mit ihrer Basis dem Zahnfleisch auf. Problematisch sind hier große Hebelwirkungen, die beim Zubeißen und Kauen auf den natürlichen Zahn ausgeübt werden und diesen beschädigen und aus seiner Position verdrängen können. Außerdem kann die Prothesenbasis bei schlechtem Sitz die Schleimhaut reizen und Entzündungen und Geschwürbildungen können die Folge sein. Deshalb ist diese Lösung ebenfalls nur als letztmögliche Alternative anzusehen.
Die Kosten belaufen sich hier auf 500€ – 1500 €. Damit ist dies – zusammen mit der Freiendbrücke – die preisgünstigste, aber zugleich notdürftigste Variante.

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