Mini Implantate



Miniimplantat

Nach langjährigem Tragen einer Totalprothese stellen sich bei vielen Patienten gleich mehrere Probleme ein. Die Prothese verliert ihren Halt und wackelt, es bilden sich schmerzhafte Druckstellen und die Prothese wird als fremd und störend empfunden. Die Ursache dieser Probleme liegt in einer fortschreitenden Atrophie (Rückbildung) des Kieferknochens zusammen mit der darüber liegenden Schleimhaut. Es bilden sich Bereiche, an denen die Prothese verstärkt aufliegt, die dann zu Schmerzen führen können. Daraus ergeben sich fortschreitende Einschränkungen beim Essen und Sprechen, die so extreme Ausmaße annehmen können, dass nicht selten soziale Isolation und Vereinsamung die Folgen sind. Die Therapie der Wahl wäre nun, durch einen meist umfangreichen Knochenaufbau eine ausreichende Basis für herkömmliche Standardimplantate zu schaffen. Diese Behandlung ist zeitaufwendig und teuer und wird deshalb von vielen Patienten abgelehnt.

Eine Alternative bieten die sogenannten Miniimplantate. Zur provisorischen Befestigung von Zahnersatz sind sie schon seit den 1970er Jahren in den USA in Verwendung. Vor wenigen Jahren wurden sie auch hierzulande als endgültige Befestigungselemente für implantatgetragenen Zahnersatz zugelassen. Aber hier ist Vorsicht geboten. Ein Miniimplantat kann nicht immer ein Standardimplantat ersetzen. Es gibt genaue Indikationen, die es zu beachten und Risiken, die es zu vermeiden gilt.

Wo liegt der Unterschied zum Standardimplantat?

Miniimplantate unterscheiden sich in folgenden Punkten von herkömmlichen Zahnimplantaten:

1. Mit einem Durchmesser von ca. 1,8 mm bis 2,9 mm sind sie wesentlich dünner. Im Vergleich bewegen sich Standardimplantate zwischen 3,3 mm und 4,3 mm Durchmesser.

2. Sie besitzen ein selbstschneidendes Gewinde.

3. Sie sind aus einem Stück gefertigt, man spricht auch von „einteiligen“ Implantaten. Der Aufbau (Abutment) ist somit schon am Implantat vorhanden und muss nicht einzeln mit ihm verbunden werden, wie es bei „zweiteiligen“ Implantaten der Fall ist. Bei diesem Aufbau handelt sich um einen sogenannten Kugelkopfanker, der über einen „Druckknopf-Mechanismus“ mit der darauf aufbauenden Prothese verbunden wird und vom Patienten manuell ein- und ausgegliedert werden kann.

Wann kommen Miniimplantate in Frage?

Es existieren insgesamt 4 generelle Situationen, bei denen Miniimplantate in Betracht gezogen werden können und wo sie eine Alternative zu herkömmlichen Implantaten darstellen.

1. Wenn eine herkömmliche Implantation mit Standardimplantaten erfolgt ist, die Implantate aber noch nicht belastet werden können und erst komplett einheilen müssen. Dann kann man zur Überbrückung dieser Zeitspanne einen provisorischen Zahnersatz auf übergangsweise gesetzten Miniimplantaten befestigen. Ist die Einheilung abgeschlossen, erfolgt die Explantation der Miniimplantate und die anschließende Fixation des Zahnersatzes auf den eigentlichen, herkömmlichen Zahnimplantaten.

2. Wenn – vorwiegend ältere, aber vereinzelt auch jüngere – Patienten aufgrund langjährigen Zahnlosigkeit unter Atrophien in Ober- oder Unterkiefer leiden und einen Knochenaufbau ablehnen. Hier können 4 bis 6 Miniimplantate pro Kiefer gesetzt werden. Das Implantieren kann mittels kleinem oder sogar ganz ohne zusätzlichen Schnitt direkt durch die Schleimhaut erfolgen und ist daher nur wenig traumatisierend. Auf den Kugelkopfankern der Miniimplantate kann dann direkt im Anschluss die Prothese befestigt werden, die auch sofort belastet werden kann. Das heißt, die gesamte Behandlung kann in einer einzigen Sitzung erfolgen.

4 Mini-Implantate im Unterkiefer

3. Wenn einzelne, verloren gegangene Zähne ersetzt werden müssen und das Platzangebot sehr gering ist. Zum Beispiel kann ein verloren gegangener Frontzahn im Unterkiefer oft nicht mit einem Standardimplantat versorgt werden, da es die sehr eng benachbarten Wurzeln schädigen würde.

4. Wenn im Rahmen von kieferorthopädischen Behandlungen Befestigungselemente für Drähte oder Gestelle benötigt werden, mit deren Hilfe Zug auf die Zähne ausgeübt werden kann. Die Zähne können so in die richtige Position bewegt werden. Hier wird das Implantat – anders als sonst üblich – im 90°-Winkel zur Kauebene in den Kieferknochen eingebracht und dient als Widerlager.

KFO-Mini-Implantate

Vorteile von Mini-Implantaten:

✓ Kostengünstig, durch vereinfachte Implantation und geringere Materialkosten bei Implantat und Zahnersatz
✓ Wegfall eines Knochenaufbaus
✓ Kürzere, atraumatischere Behandlung durch kleinere Schnitte und flachere Bohrungen im Knochen
Sofortige Belastung der Implantate

Nachteile von Mini-Implantaten:

✗ Höhere Verlustraten
✗ Eingeschränkte Indikation

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