Zygoma Implantate



Was versteht man unter einem Zygoma-Implantat?

Zygoma Implantate

Der etwas seltsam anmutende Begriff „Zygoma“ leitet sich von dem lateinischen Wort für das Jochbein – „Os zygomaticum“ – ab. Dies ist der wangenbildende Knochen im Gesicht, der sich sehr prominent beidseits direkt unter der Augenhöhle tasten lässt. Genau in diesen Knochen wird das spezielle Zygoma-Implantat vom Mundinneren aus eingebracht.

Warum wird genau dort implantiert?

In manchen Fällen hat der Implantologe nur ein sehr geringes Knochenangebot zur Verfügung und ein großer Teil des Kieferknochens hat sich bereits zurückgebildet (Knochenatrophie). Das kann im höheren Alter und nach einer langjährigen Zahnlosigkeit der Fall sein und tritt vor allem im Oberkiefer auf. Ein herkömmliches Implantat würde hier keinen ausreichenden Halt finden. Hat der Patient nun trotzdem den Wunsch nach festen Zähnen und wünscht einen implantatgetragenen Zahnersatz, müsste nach herkömmlicher Vorgehensweise in einer ersten Operation zunächst der Kieferknochen wieder aufgebaut werden. Danach müsste das Operationsgebiet einige Monate abheilen und erst dann könnten in einer zweiten Operation die „normalenImplantate gesetzt werden.

Anders verhält es sich bei den Zygoma-Implantaten, die keinen extra Knochenaufbau erfordern. Hier wird in einem 45 ° Winkel direkt in das Jochbein implantiert. Dieses weist eine sehr dichte Knochenstruktur auf und bietet dem Implantat einen sofortigen festen Halt.

Für wen sind diese Spezial-Implantate geeignet?

Prinzipiell kann diese Art der Versorgung bei jedem Patienten, der unter starker Knochenatrophie im Oberkiefer leidet, durchgeführt werden. Vor allem Träger einer Totalprothese sind von einem progressiven Knochenabbau betroffen, da die Kieferabschnitte durch die Prothese nicht mehr genügend belastet werden. Aber auch bei Patienten, die aufgrund einer Tumorerkrankung unter Knochenrückgang leiden, wird diese Form der Implantation gewählt.

Wo liegt der Unterschied zu einem „normalen“ Implantat?

Zygoma-Implantate sind mit einer Länge von 30 bis 50 mm um ein vielfaches größer als herkömmliche Zahnimplantate, die mit 7 bis 18 mm Länge auskommen. Das liegt daran, dass man im Jochbein wesentlich mehr Knochen für die Implantation vorfindet, als in Ober- und Unterkiefer, wodurch sich das Implantat tiefer versenken lässt. Zusätzlich ist bei einer herkömmlichen Implantation oft Vorsicht geboten, um angrenzende empfindliche Strukturen wie Nerven oder die Kieferhöhle nicht zu verletzen, wodurch man in der Insertionstiefe zusätzlich begrenzt ist.

Indem man die Knochenlänge des Jochbeins mit dem Zygoma-Implantat voll ausnutzt, wird ein hoher Grad an Festigkeit und Stabilität erreicht.

Das Material unterscheidet sich nicht von dem herkömmlicher Implantate – sie bestehen ebenfalls aus Titan, das sich über viele Jahre als sehr gut verträglicher Werkstoff bewährt hat.

Ablauf der Implantation

Vor der Operation ist eine ausführliche Diagnostik die Grundvoraussetzung. Es muss eine 3-dimensionale Aufnahme des Oberkiefers mit Hilfe eines sogenannten Volumentomographen angefertigt werden, um einen besseren Einblick in die Knochenverhältnisse zu gewinnen, das Risiko von Nervenschädigungen im Gesicht zu reduzieren und die Operation genau planen zu können.

Die eigentliche OP wird häufig in einer kurzen Vollnarkose durchgeführt, um präzise arbeiten zu können und nicht den Bewegungen des Patienten ausgesetzt sein zu müssen. Aber auch in lokaler Anästhesie ist der Eingriff durchführbar, wobei hier eine spezielle Operationstechnik und viel Erfahrung seitens des Implantologen erforderlich sind.

Nach Wirkungseintritt der Schmerzausschaltung wird die Implantation durchgeführt. Häufig werden pro Seite ein Zygoma-Implantat plus 2 oder 4 herkömmliche Implantate im Frontzahnbereich eingesetzt, die direkt nach der Operation mit einem überbrückenden, aber bereits festen und sofort belastbaren Zahnersatz versorgt werden. Nach ein paar Tagen, wenn der endgültige Zahnersatz im Labor hergestellt wurde, wird dieser eingesetzt und die Behandlung ist abgeschlossen.

Vorteile von Zygoma-Implantaten

✓ Kostensenkung durch wegfallenden Knochenaufbau
✓ Wegfall einer zusätzlichen Operation für Knochenaufbau
✓ Zahnersatz ist sofort nach der Operation belastbar durch festen Halt der Implantate im Jochbein

Nachteile von Zygoma-Implantaten

✗ Hohe Expertise und langjährige Erfahrung mit Zygoma-Implantaten auf Seiten des Chirurgen erforderlich
✗ Gafahr der Schädigung eng benachbarter Gesichtsnerven
✗ Eventuell weitere Atrophie der unbelasteten Kieferknochenabschnitte