Zahnimplantat Entzündung?



Wenn sich an einem Zahnimplantat eine Entzündung bildet, spricht man von einer Periimplantitis. Sie ähnelt stark dem Wesen einer Parodontitis, also einer Entzündung des natürlichen Zahnhalteapparates, sollte jedoch nicht mit dieser verwechselt werden.
Die Periimplantitis ist gefährlich, da sie zu einem schleichenden, kontinuierlichen Knochenrückgang am Implantat und schließlich zu dessen Lockerung führt. Außerdem wird sie oft erst spät erkannt, da sie lange Zeit keinerlei Schmerzen verursacht.
Bevor sie sich ausbildet, liegt häufig schon eine Entzündung der darüberliegenden Mundschleimhaut vor. Diese Vorstufe wird als Mukositis bezeichnet.

Vermuten Sie eine Entzündung an Ihrem Implantat?

Was sind die Hauptursachen für eine Periimplantitis?

Mundhygiene

Der Hauptgrund für die Ausbildung einer Periimplantitis ist eine schlechte oder gar fehlende Mundhygiene. Nach dem Setzen eines Implantates wird dieses mit einem flachen Aufsatz, dem sogenannten Abutment verbunden, das den Übergang zu Schleimhaut und Mundhöhle bildet. Dieser Aufsatz muss bis zur Eingliederung der endgültigen Suprakonstruktion, also der darauf aufbauenden Krone oder Brücke, regelmäßig und gründlich gereinigt werden. Sonst kann es zur Bildung eines Biofilms auf dem Abutment kommen und davon ausgehend zu entzündlichen Veränderungen an Schleimhaut und Implantat.
Ältere Menschen sind per se nicht stärker gefährdet, eine Periimplantitis auszubilden, als jüngere, wie häufig falsch angenommen wird. Allerdings kann es im hohen Alter öfter zu körperlichen Beeinträchtigungen kommen, die eine gründliche Mundhygiene erschweren. Außerdem haben ältere Patienten oft mit Begleiterkrankungen zu kämpfen, die das Risiko einer Periimplantitis erhöhen. Hierzu zählen v.a. der Diabetes mellitus und die Osteoporose, aber auch eine vorausgegangene Bestrahlung, der Bruxismus (Zähneknirschen) oder die Einnahme von Bisphosphonaten zählen zu möglichen Risikofaktoren.

Rauchen

Das Rauchen wirkt sich negativ auf die Langlebigkeit eines Implantates aus. Es erhöht das Risiko, innerhalb von 10 Jahren an einer Periimplantitis zu erkranken, um den Faktor 10, wie eine klinische Studie der Charité Berlin beweist.
Außerdem erhöht sich das Risiko nochmals, wenn man bereits an einer Parodontitis erkrankt ist.

Genetik

Eine genetische Vorbelastung kann ebenfalls zu vermehrter Entzündungsbildung führen, entweder weil die Bakterien bei diesen Patienten leichter das jeweilige Gewebe erreichen können oder weil die Immunantwort und somit die Entzündung verstärkt ausfällt.

Behandlungsfehler

Schließlich bestehen auch bei der chirurgischen Implantation Risiken, die es zu vermeiden gilt. Hierzu gehören v.a. eine zu starke mechanische Beanspruchung des Knochens und eine falsche Positionierung des Implantates.
Auch ein fehlerhafter Aufbau der Suprakonstruktion ist kritisch zu sehen, da z.B. das Implantat zur korrekten Reinigung nicht mehr erreicht werden kann oder Zementüberschüsse von der Befestigung des Zahnersatzes einen Entzündungsreiz setzen können.

Wie kann das verhindert werden?

Damit der behandelnde Arzt oder Zahnarzt frühzeitig auf eine mögliche Periimplantitis aufmerksam werden kann, ist es wichtig, dass man als Patient die vorgegebenen, regelmäßigen Kontrolltermine einhält. In der Regel verlaufen diese schnell und problemlos und der Patient kann nach wenigen Minuten wieder entlassen werden. Deutet das Gewebe um das Implantat herum jedoch entzündliche Veränderungen auf, die womöglich mit Schmerzen, Blutungen oder sogar einer Eiterentleerung einhergehen, besteht Handlungsbedarf. Das Implantat wird gründlich gereinigt und es werden Röntgenbilder angefertigt, die den eventuellen Verdacht auf eine Periimplantitis mit Knochenrückgang bestätigen. Ist dies der Fall, muss zur Therapie fortgeschritten werden.

Liegt nur eine oberflächliche Schleimhautentzündung (Mukositis) vor, wird lediglich die Implantatoberfläche mechanisch von einem etwaigen Biofilm befreit – das sogenannte Débridement – und ein Antibiotikum verabreicht.

Beim Vorliegen einer Periimplantitis muss chirurgisch eingegriffen werden. Zuerst wird das Granulationsgewebe, also das frische Bindegewebe, das zur Wundheilung gebildet wird, entfernt. Danach wird das Implantat gereinigt und der fehlende Knochen durch ein Transplantat wieder aufgebaut.

Da in fortgeschritteneren Stadien die Implantatreinigung nur selten zum Ziel führt, bleibt oft als letzter Schritt nur noch die Explantation, also die Entfernung des Implantates.

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