Für das Schönheitsideal strahlend weißer Zähne unterwarfen sich Menschen seit jeher den absonderlichsten Prozeduren. Sie tunkten die Zahnbürste in Zitronensaft (und ruinierten sich mit der aggressiven Säure den Zahnschmelz). Sie schrubbten das Gebiss mit Backpulver (und richteten damit das gleiche Unheil an). Manche schmierten zerdrückte Erdbeeren auf die Zahnbürste, weil die Früchte angeblich bleichende Substanzen enthalten (dabei schaden Säure und Samenkerne der Zahnoberfläche).

Derartige Brachialmethoden kommen wohl vereinzelt noch zur Anwendung, wurden zumeist jedoch ersetzt durch ein neuzeitiges breites Weißmacher-Sortiment, das schnelle Wirkung durch Eigenhilfe vorgaukelt. Angepriesen werden allerlei Tropfen und Pulver, Gels, Sets, Sticks und Strips, die blendend weiße Beißer im Eiltempo versprechen – und den lästigen Gang zum Fachmann, dem Zahnarzt, überflüssig machen sollen. Im besten Fall bewirkt das meistens in diesen Produkten enthaltene Wasserstoffperoxid zwar tatsächlich einen gewissen aufhellenden Effekt.

Risiken beim Home-Bleaching

Oft handelt sich der Benutzer allerdings ein fleckiges Gebiss ein, vor allem dann, wenn er mit Gel gefüllte Kunststoffstreifen oder Kunststoffschienen einsetzt: „Bei unebener Zahnoberfläche erzielen diese Streifen keine einheitliche Wirkung, dunklere Stellen sind das Resultat“, warnt der Münsteraner Fachzahnarzt für Oralchirurgie und Implantologe Dr. Bernhard Drüke. Auch konventionelle Kunststoffschienen passen sich selten exakt der Form des Gebisses an, so dass das Aufhellungsgel oft weniger die Zähne, aber um so mehr das Zahnfleisch überzieht. Zudem kann die Härte des Zahnschmelzes zumindest für eine Zeit lang abnehmen.

Spezialpasten, die in jedem Supermarkt angeboten werden und bei regelmäßigem Einsatz angeblich Zähne weiß werden lassen, fördern im Idealfall nur die ursprüngliche Zahnfarbe zutage – mehr nicht. Wer dennoch daran glaubt und sich nach dem Prinzip „je öfter, desto besser“ zig Mal am Tag damit die Zähne putzt, gefährdet sogar seine Mundgesundheit. Dann greifen die in der Pasta vorhandenen Abriebstoffe den Zahnschmelz an. Dabei kann jeder, der die Farbe seiner Zähne aufhellen möchte, heute von wirksamen und die Gesundheit in keiner Weise schädigenden Techniken profitieren: von professionellem Bleaching durch den Zahnarzt.

Wann sich professionelles Bleaching empfiehlt

Strahlend weiße Zähne

Nikotin, Kaffee und Tee sind – bei längerem und/oder intensivem Genuss – klassische Gelbmacher. Auch Rotwein oder Schokolade gelten als Verursacher. Manche Menschen reagieren aber auch auf bestimmte Medikamente wie etwa Antibiotika mit einer Verfärbung des Gebisses. Schadhafte Zähne bzw. Zahnwurzeln können ebenfalls zu Verfärbungen führen, auch eine Wurzelbehandlung hat in vereinzelten Fällen eventuell diese Nebenwirkung.

Prinzipiell lassen sich zwei Ursachen unterscheiden: Die sogenannten extrinsischen, also durch äußere Einwirkung hervorgerufenen, und die intrinsischen, die durch die Zahnsubstanz selbst bedingt sind. Hier spielt auch die genetische Veranlagung, das Älterwerden sowie die Qualität der Mundhygiene eine Rolle. In en Fällen mischen sich die unterschiedlichen Faktoren.

Das richtige Verfahren zur erfolgreichen und nachhaltigen Beseitigung der Verfärbungen kann nur der Zahnarzt bestimmen. Nach einer intensiven professionellen Zahnreinigung (die durch die Entfernung der Beläge bereits eine Aufhellung zur Folge hat) ist eine sorgfältige Untersuchung, kombiniert mit einer Analyse der Ernährungsgewohnheiten, vor jeder Behandlung unerlässlich.

So lässt sich auch feststellen, ob die Voraussetzungen für ein professionelles Bleaching gegeben sind. Auch wenn das Verfahren selbst völlig ungefährlich ist und in der Regel keine Nebenwirkungen auslöst, sollte der Patient eine gute Mundgesundheit besitzen – also weder Karies noch eine Zahnfleischerkrankung haben. Bei Rissen im Zahnschmelz oder bei einer Überempfindlichkeit des Zahnfleisches muss gut überlegt werden, ob ein Bleaching sinnvoll ist.

Wie professionelles Bleaching funktioniert

Verantwortlich für die Farbe der Zähne sind die Pigmente im Zahnschmelz und im darunter liegenden Zahnbein (Dentin), der äußeren Schicht eines Zahns. Werden diese Pigmente abgebaut, tritt der erwünschte Aufhellungseffekt ein. Die dazu verwendeten Mittel sind Wasserstoffperoxid und Carbamidperoxid. Ein Bleaching von Kronen oder Füllungen ist nicht möglich.

Externes Bleaching

Im ersten Schritt des Bleachings wird das Zahnfleisch mit einer Gummimembran oder einem Gel geschützt. Anschließend wird das Bleichmittel in Form eines Gels auf die Oberfläche der Zähne aufgetragen. Je nach Anwendungsmethode kann nun eine Bestrahlung mit UV-Licht erfolgen. Das erhöht die Wirksamkeit des Gels. Nach etwa 15 bis 45 Minuten wird das Bleichmittel wieder entfernt, und die Behandlung ist beendet. Dadurch lässt sich nicht nur ein gleichmäßiger und ästhetisch ansprechender, sondern auch ein zwei Jahre oder länger anhaltender Effekt erreichen (Home-Bleaching-Produkte müssen für gewöhnlich wesentlich häufiger angewendet werden). Unter Umständen kommt zusätzlich ein besonderes UV-Licht zum Einsatz. Die Behandlung dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde, der Erfolg ist sofort sichtbar.

Internes Bleaching

Diese Methode empfiehlt sich bei devitalen, also abgestorbenen oder wurzelbehandelten Zähnen, die oft eine gräuliche Verfärbung aufweisen. Verursacher sind Blutabbauprodukte, die sich in den Dentintubuli – winzig kleinen Kanälchen, die das Dentin durchziehen – abgesetzt haben. Die Aufhellung des Zahns erfolgt von innen: Das Mittel wird direkt in der Pulpakammer (Zahnmark) platziert, dem inneren Teil des Zahns. Um dorthin Zugang zu bekommen, entfernt der Arzt die meist vorhandene Füllung. Mehrfache Anwendungen sind eher die Regel als die Ausnahme.

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