Wer sich ein ästhetisch ansprechendes Gebiss wünscht, hat nicht nur eine strahlend weiße Farbe im Sinn. Im Idealfall sollen die Zahnreihen auch ebenmäßig und lückenlos sein, was sich durch Bleaching allein allerdings nicht erreichen lässt. Eine hauchdünne lichtdurchlässige Keramikschale, die auf die Vorderfläche des Frontzahns geklebt wird, kann hier helfen – das sogenannte Veneer (wörtlich übersetzt: Furnier).

Vorteile und Nutzen

Es bedeckt die komplette Vorderfront eines Zahns (in der Regel Frontzähne) und haftet mit Hilfe eines Spezialklebers, der eine chemische Verbindung mit dem Zahnschmelz eingeht. „Der Vorteil von Veneers gegenüber herkömmlichen Kronen ist zum einen, dass für das Anbringen weitaus weniger Zahnsubstanz abgeschliffen werden muss“, erklärt der Oralchirurg und Implantologe Dr. Dr. Wolfgang Jakobs aus Speicher bei Bitburg. „Zum anderen fällt auch nach längerer Zeit der Übergang von der Keramikschale zum Zahn selbst nicht auf, während bei einer Krone oft der unter dem Zahnfleischrand verborgene Wechsel sichtbar wird, wenn sich das Zahnfleisch dort zurückbildet.“

Veneers gelten als ästhetisch-kosmetische Allrounder. Sie kaschieren Lücken, korrigieren unansehnliche Zahnformen und –fehlstellungen und hellen zudem die Farbe auf. Sie ermöglichen eine normale Belastung des Gebisses, rufen nur in ganz seltenen Fällen Unverträglichkeiten gegen den Kleber hervor und bieten meist eine so natürliche Optik, dass sie auch bei näherem Hinsehen nicht zu erkennen sind. Außerdem erfreulich: Die Behandlung ist schonend, die Belastung für den Patienten bleibt gering. Oft kann sogar auf eine Betäubung verzichtet werden. Bemerkenswert ist die Langlebigkeit der Keramik-Facetten: Innerhalb von sechs Jahren, das haben Untersuchungen ergeben, gingen im Durchschnitt nur zwei von hundert Veneers verloren.

Wann Veneers empfehlenswert sind

Geeignet zum Aufbringen von Veneers sind die Schneide- und Eckzähne, eventuell auch die vorderen Backenzähne. Der jeweilige Zahn sollte allerdings keinen größeren Defekt aufweisen. In solchen Fällen empfiehlt sich eine Vollkrone. Veneers behalten bei guter Mundhygiene (regelmäßige professionelle Zahnreinigung, Einsatz von Zahnseide) ihre Farbe. Farbstoffe in Lebensmitteln können Ihnen nichts anhaben.

Bei Verfärbungen

Es kommt vor, dass sich ein oder mehrere Frontzähne so stark verfärbt haben, dass das normalerweise angewandte Bleaching nicht ausreicht. Veneers überdecken diese dunklen Stellen im Gebiss und lassen sich nach Belieben der Farbe der Nachbarzähne anpassen. Es kann dann allerdings notwendig sein, solche Zähne zuvor zusätzlich mit einem Bleichmittel zu behandeln. In etlichen dieser Fälle reicht auch dies nicht aus: Dann ist eine Überkronung die bessere, wirksamere Alternative.

Bei Lücken, Fehlstellungen und unästhetischen Zahnformen

Kleinere Zahnlücken lassen sich mit Veneers meist problemlos überdecken. Auch schiefe oder bei einem Unfall beschädigte Zähne erhalten durch die Keramikschalen eine einwandfreie Optik. Je größer die Zahnlücke allerdings ist, desto wahrscheinlicher wird die Notwendigkeit einer vorherigen Korrektur durch eine kieferorthopädische Zahnspange.

Wann Veneers nicht eingesetzt werden sollten

Patienten, deren Zahnschmelz durch einen unverhältnismäßig hohen Fluor-Anteil eine ungünstige Zusammensetzung aufweist, rät ihr Zahnarzt von Veneers ab. Wer stark mit den Zähnen knirscht, läuft Gefahr, die Keramikschalen zu beschädigen. Betroffene sollten auf jeden Fall nachts eine professionell angefertigte individuelle Knirscher-Schiene tragen.

Wie Veneers aufgebracht werden

Die Front der Zähne wird ganz leicht (in der Regel um deutlich weniger als einen Millimeter) abgeschliffen, ohne dass der Patient diesen Vorgang spürt oder ihn gar als unangenehm empfindet. Danach wird ein Gebissabdruck angefertigt. Auf der Basis dieses Abdrucks erstellt der Zahntechniker ein Gipsmodell, das den späteren Zustand des Gebisses sozusagen simuliert. So können Patient und Zahnarzt die gewünschte Form und Farbe beurteilen, besprechen und endgültig festlegen. Wer gleich wissen möchte, wie der angestrebte Endzustand des Gebisses aussehen wird (und eventuell noch einmal Korrekturen vornehmen möchte), lässt sich provisorische Veneers aus Kunststoff aufbringen, die den späteren Originalen angeglichen sind. Etwa eine Woche später fixiert der Zahnarzt die endgültigen Veneers mit einem Spezial-Kompositkleber auf der vorbereiteten Zahnoberfläche. Dieser Vorgang dauert etwa eine halbe Stunde.

Auch der Einsatz von speziellen, gerade einmal 0,2 Millimeter starken Veneers ist in bestimmten Fällen möglich. Dabei entfällt das sonst übliche Abschleifen der Zahnoberfläche.

Die Kosten

Der Aufwand zur Herstellung von Veneers durch einen kompetenten Zahntechniker ist nicht unerheblich. Neben der millimetergenauen Passform kommt es auf die exakte Farbabstimmung an. Schon kleinste Abweichungen können auffallen. Ebenso erfordert das Anbringen durch den Zahnarzt einiges an Geschick und Erfahrung. Die Kosten pro Zahn können sich durchaus auf 1000 Euro belaufen; in manchen Fällen wird es teurer.
Meist wird der Einsatz von Veneers als eine aus ästhetischen oder kosmetischen Gründen durchgeführte Behandlung eingestuft, deren Kosten die gesetzlichen Krankenkassen nicht übernehmen. Bei Privatversicherten können je nach Vertrag unterschiedliche Regelungen gelten. Ausnahmen sind allerdings beim Vorliegen einer medizinischen Notwendigkeit möglich – etwa im Fall eines Unfalls, der die Zahnoberfläche beschädigt hat. Unter Umständen wird auch eine Teilfinanzierung von Veneers akzeptiert. Betroffene sollten sich auf jeden Fall vor Behandlungsbeginn bei ihrem Zahnarzt über den Heil- und Kostenplan informieren und mit ihrer Krankenversicherung Rücksprache halten.

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