Schiefe Zähne

Dass die Zähne von Natur aus in makelloser Stellung wachsen, ist eher eine Seltenheit. Stattdessen sind Unregelmäßigkeiten und kleinere Fehlstellungen an der Tagesordnung. So, wie kein Mensch einem anderen völlig gleicht, ist auch das Gebiss individuell ganz unterschiedlich.

Betrachtet man schiefe Zähne statistisch, liegt bei ungefähr jedem Dritten hierzulande eine leichte oder mittelschwere Unregelmäßigkeit vor. Häufig bleibt diese dauerhaft bestehen, weil sie keinerlei Beschwerden verursacht und im Alltag weder funktional noch ästhetisch behindert.

In schweren Fällen ist das anders: Gravierende, auffällige Zahnlücken oder eine ganze Reihe schiefer Zähne sollten aus medizinischer Sicht in der Regel korrigiert werden, denn sie können durch schlechte Erreichbarkeit beim Zähneputzen zu Zahnerkrankungen und -Entzündungen führen. Und auch in ästhetischer Hinsicht wünschen sich viele Betroffene eine Veränderung, denn nicht zuletzt können schiefe Zähne das Selbstbewusstsein belasten.

Wann sollte man schiefe Zähne richten lassen?

Weil starke Fehlstellungen der Zähne und des Kiefers eine bedeutende Auswirkung auf das Kauen und Sprechen haben kann, sollten schiefe Zähne bestenfalls schon im jungen Alter korrigiert werden, damit es nicht zu Sprachfehlern wie Nuscheln oder Lispeln kommt oder sich gar die Sprachentwicklung verzögert, das sich auf das gesamte Lernerhalten auswirken kann.

Grundsätzlich können schiefe Zähne aber in jedem Alter korrigiert werden. Wenngleich Spangen-Lösungen in der Regel mit Jugendlichen in Verbindung gebracht werden, lässt sich auch das erwachsene Gebiss mit dieser Art der Zahnkorrektur effektiv richten.

Es bietet sich in manchen Fällen an, einen oder mehrere Zähne zu entfernen, falls im engstehenden Kiefer nicht genug Platz für sämtliche Zähne bleibt. Die verbleibenden Zähne lassen sich anschließend mit entsprechenden Korrekturmaßnahmen richten. Sollte ein Zahn wegen zu wenig Platz im Kieferknochen vor dem Durchbruch steckengeblieben sein, so kann er unter Umständen noch nachträglich in den Zahnbogen integriert werden.

Wie entstehen schiefe Zähne?

Schiefe Zähne können entweder angeboren sein oder mit der Zeit entstehen – in der Regel ist die Fehlstellung des Gebisses jedoch eine Kombination aus beiden Faktoren.

Angeborene Fehlstellungen sind etwa:

  • Vorbiss: Symptomatisch dafür ist ein ausgeprägter Unterkiefer; Beim Biss liegen die unteren Schneidezähne vor den oberen.
  • Deckbiss/Tiefbiss: Davon ist die Rede, wenn die mittig liegenden oberen Schneidezähne die unteren überdecken.
  • Distalbiss: So wird ein Rückbiss des Unterkiefers bezeichnet, der oft mit nach vorne hin abstehenden Schneidezähnen einhergeht.
  • Missbildungen: Dazu gehören beispielsweise die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte, zu viele oder zu wenige Zähne sowie Zahnverlagerungen.

Während der langjährigen Entwicklung des Gebisses sowie der Kieferknochen kann es über die angeborenen Faktoren hinaus zu Verschiebungen kommen, die ihrerseits für Platzprobleme sorgen. In der Folge können einzelne Zähne verdrängt werden, sodass sie entweder vor oder hinter der vorgesehenen Zahnreihe stehen.

Schiefe Zähne können außerdem von Zahnlücken herrühren, wenn beispielsweise die Nachbarzähne im Laufe der Zeit in Richtung der Lücke „kippen“ oder sich verschieben.

Auch bestimme Angewohnheiten im Kindesalter können Fehlstellungen zur Folge haben, wenn sie nicht altersgerecht wieder abgewöhnt werden: Etwa Daumenlutschen oder Lutschen an anderen Gegenständen, Nuckeln an einem Schnuller oder an der Trinkflasche.

Risiken von schiefen Zähnen

Wenn der Kiefer engstehend ist und sich die Zähne übereinanderschieben, hat das oft zur Folge, dass sie sich nicht mehr gründlich genug putzen lassen, sodass sich Bakterien in den zu engen Zwischenräumen ansiedeln. Daher begünstigen schiefe Zähne nicht zuletzt die Entstehung von Karies.

Das Risiko liegt also vor allem darin, dass die schwer erreichbaren Bereiche der verschobenen Zähne anfällig für schädliche Bakterien sind. Diese können zu Karies, Zahnfleischentzündungen und in diesem Zusammenhang unter Umständen zu Zahnverlust führen. Insgesamt sind Patienten mit schiefen Zähnen im Laufe ihres Lebens vermehrt anfällig für eine Versorgung mit Zahnersatz.

Zahnkorrektur von schiefen Zähnen: Medizinisch und ästhetisch ratsam

Fehlstellungen sind also kein rein kosmetisches oder ästhetisches Problem. Vielmehr kann ein gestörter Zusammenbiss der Kiefer auch die Nahrungsaufnahme beeinträchtigen und die Mundschleimhaut sowie die Lippen verletzen.

Durch die ungleichmäßige Belastung können neben den ohnehin schiefen Zähnen noch weitere in eine bestehende Zahnlücke „hineinkippen“, es können Zahnbetterkrankungen und allgemeine Kiefergelenksprobleme entstehen, die mitunter zu Verspannungen der Nacken- und Gesichtsmuskeln führen können.

Auch deshalb sollten verlorengegangene oder nicht angelegte Zähne schon so früh wie möglich durch Zahnbrücken oder -Implantate ersetzt werden. Bei Kindern ist es außerdem möglich, einen speziellen Zahnersatz als eine Art Platzhalter zu integrieren, damit für den Zahn oder den späteren Zahnersatz eine Lücke freigehalten wird.

Schiefe Zähne richten mit einer Zahnspange

Anders als bei Erwachsenen, ist das Tragen von Zahnspangen unter Kindern und Jugendlichen keine Seltenheit. Ungefähr jeder Zweite bekommt heutzutage eine solche kieferorthopädische Behandlung.

Zahnspangen: auch für Erwachsene

Doch eine korrigierende Behandlung mit einer Zahnspange ist auch im Erwachsenenalter kein Problem. Gleichwohl gibt es für den behandelnden Kieferorthopäden eine natürliche Grenze, da die Wachstumsphase des Kiefers abgeschlossen ist und somit nicht, wie bei Kindern und Jugendlichen, eine Fehlstellung des Kiefers korrigiert werden kann.

Um die Fehlstellungen richten zu lassen, die zu schiefen Zähnen führen, sind sowohl feste als auch herausnehmbare Optionen sowie eine Verbindung aus beidem möglich. Zum Beispiel wird bei Kindern anfangs oftmals eine lose Spange eingesetzt, mit der erste Korrekturen vorgenommen werden. Sobald der Zahnwechsel abgeschlossen ist, findet ein Wechsel auf eine festsitzende Zahnspange statt.

Herausnehmbare Zahnspangen gegen schiefe Zähne

Sie zeichnen sich durch die Edelstahldrähte aus, die an einer Kunststoffbasis befestigt sind und so die schiefen Zähne mit der Zeit in ihre vorgesehene Position schieben. Gleichzeitig werden mithilfe der Spange die Kaumuskeln trainiert.

Herausnehmbare Zahnspangen müssen mehrere Stunden täglich sowie in der Nacht getragen werden. Im Laufe der Zeit werden die Schrauben der Zahnspange, orientiert am individuellen Bedarf, immer weiter nachjustiert.

Vorteile von herausnehmbaren Zahnspangen

Herausnehmbare Zahnspangen können am Unterkiefer genauso wie am Oberkiefer eingesetzt werden. Weil sie keinen übermäßigen Druck auf das Zahn- und Kiefersystem ausüben, treten Überlastungsschäden der Zahnsubstanz nur selten auf.

Auch im alltäglichen Gebrauch haben sich lose Zahnspangen bewährt, denn vor dem Essen, vor dem Sport oder ähnlichen Aktivitäten können sie mit einem Griff herausgenommen werden. Weil lose Spangen nicht das Zähneputzen beeinträchtigen, bergen sie außerdem ein niedriges Risiko für Kariesinfektionen sowie andere Zahnerkrankungen.

Nachteile von herausnehmbaren Zahnspangen

Bei einer kieferorthopädischen Versorgung mit einer losen Spange verlängert sich in der Regel die Behandlungsdauer. Ein Grund ist, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene die herausnehmbare Zahnspange oft zu inkonsequent tragen, weil sie beim Sprechen behindert und ästhetisch behindert. Wird die Spange jedoch nicht oft genug getragen, so verschiebt sich das Gebiss bald wieder in die vorherige Stellung.

Aligner: die transparente herausnehmbare Zahnspange

Die unsichtbare Zahnspange, der sogenannte Aligner, ist sowohl für Jugendliche als auch Erwachsene eine Option, um schiefe Zähne richten zu lassen. Jedoch sollte die Zahnfehlstellung dafür nicht sehr stark sein, denn ein Aligner übt nur im begrenzten Maß Kraft auf die Zähne aus. Deshalb ist diese Methode der Zahnkorrektur vor allem bei kleineren und mittleren Fehlstellungen ein Mittel der Wahl.

Was ist ein Aligner?

Ein Aligner ist eine dünne Schiene, die individuell auf das Gebiss passend aus einem widerstandsfähigen Kunststoffmaterial angefertigt wird. Weil sie fast unsichtbar ist, beeinträchtigt sie auch im Alltag nicht das ästhetische Empfinden, sodass sie im Alltag nicht, wie klassische lose Spangen, so oft wie möglich herausgenommen werden braucht. Optisch ähnelt sie den individuell angefertigten Schienen, die für ein Bleaching zum Einsatz kommen oder auch einer sogenannten Knirscherschiene.

Die Aligner-Zahnspange ist herausnehmbar, kann also vor dem Essen und vor dem Zähneputzen entfernt und anschließend mit einem Handgriff wieder eingesetzt werden. Sie umfasst keine Drähte und Klammern und ist dadurch eine komfortable Lösung für die Versorgung mit einer herausnehmbaren Zahnspange.

Festsitzende Zahnspangen gegen schiefe Zähne

Für die kieferorthopädische Versorgung mit einer festen Zahnspange werden kleine Metallelemente auf den Zähnen fixiert. Diese sogenannten Brackets werden daraufhin mit Metallringen sowie Drähten miteinander verbunden, sodass sie unter der erzeugten Spannung die schiefe Zahnstellung richten können.

Während regelmäßiger Kontrolluntersuchungen müssen die Drahtbögen immer wieder nachgezogen werden, um so die Zähne mit der Zeit in ihre vorgesehene Position zu bewegen.

Brackets sind im Laufe der Jahre übrigens immer kleiner und damit auch unauffälliger geworden. Heutzutage gibt es sie nicht nur aus Metall, sondern auch aus Glasfaser und Keramik. Diese modernen Varianten sind jedoch mit höheren Kosten verbunden.

Vor- und Nachteile von festen Zahnspangen

Die Behandlungszeit bei einer festen Zahnspange ist deutlich kürzer, weil eine feste Zahnspange Tag und Nacht auf die schiefen Zähne und den Kiefer einwirkt, ist eine geringere Behandlungsdauer als mit einer herausnehmbaren Option nötig. Jedoch sind auch die Kräfte stärker, die auf die Zähne einwirken, darum können Schäden an Zahnwurzeln und am Zahnhalteapparat nicht ausgeschlossen werden.