Zähneknirschen
(Bruxismus)

Das nächtliche Knirschen, bei dem der Kiefer kaum zur Ruhe kommt, ist in den vergangenen Jahrzehnten langsam aber sicher zu einer Art Volkskrankheit geworden.

Wer unter diesem sogenannten Bruxismus leidet, der reibt, presst oder beißt während des Schlafens unbewusst die Zähne aufeinander – manchmal so fest, dass dadurch nachhaltige Zahnschäden entstehen. Dabei gehen Knirscher oftmals mit enormen Druck vor, viel stärker, als es beim Kauen der Fall wäre.

Statistisch betrachtet, gehört ungefähr ein Drittel der Erwachsenen hierzulande zeitweise zu der Zahl der Knirscher. Ungefähr ein Achtel der Betroffenen entwickelt daraus mit der Zeit ein Krankheitsbild, das zu Schäden am Kauapparat führen kann. Betroffen von Bruxismus sind vorwiegend Frauen – etwa 80 Prozent der Zähneknirscher sind laut Statistik weiblich und im Alter von 30 und 45 Jahren.

Ursachen für Zähneknirschen

Im medizinischen Sinne hat Bruxismus keine wichtige Funktion, denn es wird ja nicht gekaut oder gemahlen. Stattdessen gibt es eine Reihe möglicher körperlicher und seelischer Ursachen, die das Zähneknirschen hervorrufen.

In der Schlafforschung hingegen ist auch von Bewegungsstörungen die Rede, ausgelöst etwa durch bestimmte Arten des Schnarchens. Wenn die Schlafsteuerung des Gehirns sich dadurch ändert, kann sich das in der unbewussten Reaktion des Zähneknirschens äußern.

Ursachen für Zähneknirschen: Stressverarbeitung

Sehr verbreitet ist das Knirschen bei vielen Menschen, weil es eine Reaktion auf Anspannung, Stress und Sorgen ist, die sich im unbewussten Zustand Ausdruck verschaffen. Wird Ärger und Wut verdrängt und bahnen sich die Sorgen einen Weg durch das Unterbewusstsein, so kann das Zähneknirschen ein Kompensationsmechanismus des Körpers sein, um den buchstäblichen Druck zum Ausdruck zu bringen.

Wer das Gefühl hat, sprichwörtlich ständig die »Zähne zusammenbeißen« zu müssen, ob in der Familie, in der Beziehung oder im Job, bei dem kann der seelische Stress sich in einer körperlichen Reaktion wie Zähneknirschen ausdrücken.

Stressbewältigung kann Hilfe leisten

Enttäuschung, Trauer und schlicht jeder anhaltende Stress kann zu Bruxismus führen. Wenn der Auslöser für das Knirschen seelisch ist, ist es daher ratsam, sich Hilfe bei der Bewältigung mit den zugrundeliegenden Ängsten oder Sorgen zu suchen.

Manchmal kann schon ein Gespräch mit dem Partner oder einem Freund große Erleichterung verschaffen, oder es lohnt sich ein Informationsgespräch mit einem Therapeuten, womöglich mit einer anschließenden Gesprächs- oder Verhaltenstherapie.

Oftmals benötigt der Kopf auch schlicht eine Pause vom stressigen Alltag, sodass die Integration von Entspannungsritualen in den Alltag oder ein Erholungsurlaub wahre Wunder bewirken.

Ursachen für Zähneknirschen: Cranio-Mandibuläre-Dysfunktion (CMD)

Bei vielen Knirschern liegt eine Fehlstellung im Unter-und Oberkiefer vor. Eine solche sogenannte Cranio-Mandibuläre-Dyfunktion (CMD) kann den ganzen Bewegungsapparat sowie die Wirbelsäule in Mitleidenschaft ziehen. Eine CMD äußert sich vorrangig durch Schmerzen im Kiefergelenk sowie starkes Zähneknirschen, vor allem nachts. Nicht selten geht eine solche Fehlstellung auch mit regelmäßigen Kopfschmerzen einher.

Ursachen für Bruxismus: Schlechtsitzender Zahnersatz

Bruxismus kann auch durch schiefe Zähne oder einen unzureichend sitzenden Zahnersatz ausgelöst werden. Wenn eine Füllung, Zahnkrone, Brücke oder eine Prothese nicht richtig sitzt, kann es nachts zur unbewussten Bewegung des Kiefers als Reaktion auf den unangenehmen Fremdkörper kommen.

Ursachen für Bruxismus: Medikamente und Drogen

Daneben wird vermutet, dass Alkohol, Drogen und bestimmte Medikamente die nächtliche Reaktion des Zähneknirschens beeinflussen können. Womöglich spielen in diesem Zusammenhang die Einnahme von Psychopharmaka und Drogen wie Ecstasy eine Rolle.

Diagnose von Zähneknirschen

Wenn Sie den Zahnarzt mit Verdacht auf Bruxismus aufsuchen, wird er zuerst die gesamte Mundhöhle untersuchen und dabei auch die Kaumuskulatur abtasten. In manchen Fällen lässt sich beobachten, dass durch das Zähneknirschen die Höcker der Zähne bereits regelrecht abgemahlen wurden und der Zahnschmelz rissig ist.

Viele Knirscher klagen über Schmerzen der Kaumuskeln, die sich vergrößert und darüber hinaus verhärtet haben. Auch die Überempfindlichkeit der Zähne ist ein Symptom, das viele Knirscher aufweisen. Oftmals sind die Kiefergelenke infolge des Zähneknirschens beeinträchtigt.

Durch Abtasten kann der Zahnarzt feststellen, ob die Wangenmuskulatur und das Kiefergelenk betroffen sind. In schweren Fällen haben zum Zeitpunkt der Untersuchung bereits das Zahnfleisch und der Zahnhalteapparat Schaden genommen.

Selbsttest: Leide ich unter Zähneknirschen?

Insbesondere nach einer »anstrengenden« Nacht mit starkem Knirschen und Pressen können nach dem Aufwachen die Kaumuskeln schmerzen und verhärtet sein. Bei manchen Betroffenen äußert sich das unter anderem durch Kieferknacken nach dem Öffnen des Mundes.

Wenn die Vermutung besteht, dass Sie nachts mit den Zähnen knirschen, tasten Sie am Morgen einmal die Muskulatur ab, die von der Wange bis zum Kiefergelenk führt, und fühlen Sie, ob sie sich verspannt anfühlt oder verhärtet ist. Fragen Sie auch Ihren Partner, ob er schon einmal Knirsch- oder Mahlgeräusche gehört oder das für Knirscher typische Aufeinanderpressen der Kiefer bei Ihnen beobachtet hat.

Bei chronischem Zähneknirschen sind die Kiefergelenke durch den Druck des starken Pressens oftmals in Mitleidenschaft gezogen, mitunter schmerzhaft. Dasselbe kann für die Zähne gelten, die unter dem Knirschen auf Dauer zu leiden haben.

Behandlung von Zähneknirschen

Wenn sich herausstellt, dass Sie unter Bruxismus leiden, wird der Zahnarzt Ihnen eine individuell angepasste und angefertigte Schiene empfehlen. Diese Knirscherschiene, auch Aufbissschiene genannt, besteht aus gehärtetem Kunststoff und wird nachts getragen. Sie schützt die Zähne und den Kiefer vor weiteren Schäden, indem sie die Muskulatur entlastet und einen Abstand zwischen den Zahnreihen schafft.

Je nach Intensität des Bruxismus kann so eine Schiene zwischen wenigen Monaten und mehreren Jahren halten. Um sie von Bakterien zu reinigen, sollte die Schiene jeden Morgen gründlich mit warmem Wasser, Zahnbürste und etwas Zahnpasta sauber gehalten werden.

Insgesamt lindert eine solche Schiene jedoch lediglich den Schaden, den die Zähne ohne diese medizinische Hilfe auf Dauer erleiden würden. Den Auslöser für das Zähneknirschen, sei er seelischer oder körperlicher Natur, vermag eine Schiene nicht zu beheben.

>Was Sie selbst gegen Zähneknirschen tun können

Wenn Sie unter Bruxismus leiden, können Sie dem Symptom mit unterschiedlichen Wegen zu Leibe rücken. Es kommt jedoch im ersten Schritt vor allem darauf an, die individuelle Ursache für das Knirschen ausfindig zu machen.

Wenn dem Zähneknirschen verdrängte Ängste, Sorgen oder Trauer zugrunde liegen, die nachts unbewusst an die Oberfläche gelangen, kann es helfen, sich der inneren Unsicherheit bewusst zu werden und entsprechende Hilfe zu suchen: ob in Form von therapeutischen Maßnahmen, der Aussprache mit einer vertrauten Person oder einem Erholungsurlaub.

Sind anhaltende berufliche Probleme, Ärger oder dauernder Stress am Arbeitsplatz die Ursache für das nächtliche Pressen, überlegen Sie ggf., ob ein Wechsel oder eine andere grundlegende Veränderung möglich ist, die Ihnen in Ihrer Situation hilft.

Hilfe gegen Bruxismus: Entspannungstechniken

Bei körperlichen Ursachen für das Zähneknirschen kann es helfen, mit Wärme, entspannenden Massagen und bestimmten gymnastischen Übungen gegen die Gewohnheit vorzugehen und die verspannten Kiefermuskeln dauerhaft wieder zu lockern.

Prüfen Sie darüber hinaus im Laufe des Tages immer einmal wieder die Stellung Ihrer Kiefer: Im Regelfall haben die Zahnreihen lediglich beim Essen und Schlucken direkten Kontakt.

Es lohnt sich übrigens nicht nur für Knirscher, herauszufinden, welche Entspannungstechnik Ihnen Ausgleich vom Stress des Alltags verschafft. Yoga, Autogenes Training oder auch Entspannungsmethoden wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson können helfen, Stress mitunter sehr effektiv abzubauen.

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