Zahnersatz-Material



Wissenswertes über Zahnersatz-Material: Keramik, Kunststoff oder Zirkon?

Wenn Sie als Patient einen neuen Zahnersatz erhalten, stehen Sie vor der Wahl des Materials, aus dem dieser angefertigt werden soll. Da es viele verschiedene Auswahlmöglichkeiten gibt, kann man schnell den Überblick verlieren. Hinzu kommt, dass jedes einzelne Material ganz eigene Vorzüge und Nachteile mit sich bringt. Deshalb sollten Sie Ihre Entscheidung immer in Zusammenarbeit mit Ihrem behandelnden Zahnarzt treffen. Die wichtigsten Anforderungen an den Zahnersatz sind Verträglichkeit, Eignung und finanzielle Erschwinglichkeit.

In der Zahnmedizin werden hauptsächlich die Materialien Keramik, Titan, Kunststoff, Zirkon, Gold, Nichtedelmetalllegierungen (NEM) und Amalgam verwendet. Im Folgenden geben wir Ihnen einen kurzen Überblick über die einzelnen Zahnersatz-Materialien.

Keramik

Zahnbrücke aus Vollkeramik

Häufig steht die Ästhetik des Zahnersatzes für den Patienten im Vordergrund. In diesen Fällen kommen oft die sogenannten Dentalkeramiken zur Anwendung. Diese bestehen hauptsächlich aus dem Silikatmineral Feldspat. Neben dem natürlichen äußeren Erscheinungsbild haben die Dentalkeramiken den Vorteil, dass sie sehr kaustabil und sehr gut verträglich sind. Sie können bei jeder Form des Zahnersatzes zum Einsatz kommen, ganz gleich, ob Brücke, Veneer, Inlay oder sogar Implantat.

Da die Herstellungs- und Verarbeitungsprozesse sehr aufwendig sind, kosten vollkeramische oder mit Keramik beschichtete oder verblendete Brücken oder Kronen wesentlich mehr als vergleichbarer Zahnersatz aus anderen Materialien.

Die Krankenkassen beteiligen sich so gut wie nicht an den höheren Kosten eines Zahnersatzes aus Keramik. Lediglich eine Verblendung mit Keramik im sichtbaren Zahnbereich – im Unterkiefer bis zum vierten und im Oberkiefer bis zum fünften Zahn – wird bezuschusst.

Titan

Titanimplantat

Titan wird vor allem in der Implantologie zur Herstellung von Implantaten genutzt. Es wird hier in der reinen und hochreinen Form verwendet und ist seit vielen Jahren ein bewährter Werkstoff. Das liegt nicht zuletzt an seiner hohen Korrosionsbeständigkeit, mechanischen Stabilität und Biokompatibilität, die es dem menschlichen Körper nicht möglich macht, Titan als Fremdkörper zu erkennen. Vielmehr verbindet sich das Implantat auf molekularer Ebene mit dem Knochen und wird wie Eigengewebe in den Körper integriert. Auch beim Unterbau und der Verstärkung von Kronen, Brücken und Prothesen wird Titan verwendet.

Kunststoff

Zahnkrone verblendet

Kunststoff ist die preislich günstigere Alternative zu Keramik und wird z.B. für Verblendungen von Kronen oder für die Fertigung der Zähne einer Totalprothese verwendet. Um die Abriebfestigkeit zu steigern, wird der Kunststoff mit Glas oder Quarz angereichert. Er weist eine hohe Formstabilität auf, kann jedoch, was die Ästhetik betrifft, nicht mit der Keramik mithalten. Das liegt daran, dass Kunststoff nicht besonders lichtdurchlässig ist und damit intransparenter und unnatürlicher im Gegensatz zur Keramik und den natürlichen Zähnen erscheint. Allerdings eignen sich Kunststoff-Keramik-Gemische, sogenannte Komposite, sehr gut für Füllungen, da sie stabil sind und sich farblich an die Nachbarzähne anpassen lassen. Es kann jedoch im Laufe der Zeit zu Verfärbungen kommen.

Zirkon

Zirkonkrone

Zirkon steht für Zirkoniumdioxid und ist ein metallfreier Hochleistungswerkstoff, der in der Zahnmedizin immer beliebter wird. Grund dafür ist die gute Verträglichkeit des Materials. Auch in anderen medizinischen Bereichen wird der Werkstoff schon seit längerer Zeit verwendet, so zum Beispiel für die Herstellung von künstlichen Knie- und Hüftgelenken.

Das natürliche Aussehen und die enorme Stabilität des Werkstoffs tragen ebenfalls zur vermehrten Anwendung bei. So können beispielsweise hauchdünne und trotzdem sehr stabile Veneers hergestellt werden, ohne dass die Zähne dafür vorher unnötig beschliffen werden müssen. Auch Brücken, Kronen und sogar Implantate lassen sich aus Zirkoniumdioxid fertigen.

Gold

Goldkrone

Gold zeichnet sich durch eine sehr gute Verträglichkeit sowie eine hohe Widerstandsfähigkeit und Belastbarkeit aus. Es kann jedoch nicht in Reinform verwendet werden, da es zu weich und verformbar wäre. Deshalb werden verschiedene Metalle wie Silber, Platin oder Zink beigemischt und es entstehen goldhaltige Legierungen. Aus diesen können Inlays, Kronen, Brücken und Stiftaufbauten gefertigt werden. Um eine Anpassung an die Zahnfarbe zu erreichen, muss die Arbeit im Anschluss mit Kunststoff oder Keramik verblendet werden.

Nichtedelmetalllegierungen (NEM)

Als Nichtedelmetalllegierungen wird eine Reihe von Werkstoffen bezeichnet, die kostengünstig sind und eine hohe Funktionalität aufweisen. Sie sind sehr leicht, lassen sich einfach verarbeiten und bieten breite Anwendungsmöglichkeiten, wie z.B. die Herstellung von Kronen, Brücken, Teleskopen und Modellgussprothesen. Am weitesten verbreitet in der Zahnmedizin sind die Kobalt-Chrom- sowie die Chrom-Kobalt-Molybdän-Legierungen, da sie eine hohe Körperverträglichkeit und günstige Materialeigenschaften aufweisen.

Amalgam

Amalgamfüllung

Amalgam ist eine Metalllegierung – sie besteht zu 50 Prozent aus Quecksilber und zu 50 Prozent aus einem Gemisch aus Silber, Kupfer, Zinn sowie kleineren Mengen Indium und Zink. Amalgam wird nicht für die eigentliche Zahnersatzherstellung verwendet, sondern nur noch sehr selten zur Füllungstherapie kariöser Zähne.

Vor allem für großflächigere Füllungen hat sich der Werkstoff in den letzten Jahrzehnten bewährt. Das liegt vor allem an seiner hohen Stabilität und Widerstandsfähigkeit gegen äußere Einflüsse. Aufgrund der schlechten Ästhetik durch seine schwarz-silberne Farbe wird Amalgam nur im nicht sichtbaren Seitenzahngebiet eingesetzt. Es wird heutzutage so gut wie nicht mehr verwendet und wurde größtenteils durch die Verwendung von Kunststoff in der Füllungstherapie ersetzt.

Amalgam unterliegt aufgrund seines hohen Quecksilbergehalts immer wieder kontroversen Diskussionen. Es konnte zwar wissenschaftlich bis heute kein Nachweis einer Gefahr durch Quecksilbervergiftung erbracht werden, dennoch ist seine Bioverträglichkeit ungünstig. Die Krankenkassen bewerten Amalgam als unschädlich und übernehmen die gesamten Kosten für die Füllungstherapie mit diesem Material.